Viatorenmotto


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Häufig gestellte Fragen (FAQ)





Wieso sollte man überhaupt Strapazen auf sich nehmen?
Wer steckt hinter dem O. V.? Wer ist Nama Rupa?
Wieso sollten wir die Welt als ein Spiel ansehen?


Wieso sollte man überhaupt die Strapazen, bspw. einer Pilgerreise auf sich nehmen? Ist es nicht ein ebenso würdiger spiritueller Weg, sich vom Unsiversum mit materiellen Freuden beschenken zu lassen?


Jede echte Pilgerreise wird voller Geschenke des Kosmos, des Numinoosen sein. Aber wir sind nicht auf dieser Welt, um Wohlbefinden und Bequemlichkeit zu suchen. Unser Bedürfnis, es immer bequemer zu haben, immer mehr zu besitzen, immer komfortabler zu leben, ist in letzter Konsequenz dabei, das Leben auf diesem Planeten zu vernichten. Viatoren versuchen aus verschiedenen Gründen, ihre Bedürfnisse zu reduzieren. Unsere nie endenden Bedürfnisse sind uns so selbstverständlich geworden, dass wir uns gar nicht mehr vorstellen können, wie wenig wir wirklich zum Leben brauchen. Eine Pilgerreise ist eine wunderbare Möglichkeit, dies und unsere Grenzen zu erfahren. Die eigenen Grenzen auszutesten, macht uns härter gegenüber dem Leben, macht uns selbstsicherer, weil wir wissen, wie viel wir aushalten, aber es zeigt uns auch, dass wir dazu in der Lage sind, auf vieles zu verzichten, das wir für notwendig gehalten haben mögen. Wir werden frei und befreien uns von den drängenden Einflüsterungen unseres Egos, das uns Angst macht, wenn es nicht bekommt, was es will.



Wer steckt hinter dem O. V.? Wer ist der Begründer dieser Idee? Wer ist Nama Rupa?


Der Ordo Viatorum ist eine der wenigen spirituellen Bewegungen, die ganz ohne Personenkult auskommt. Wer die Ideen des O. V. inspiriert, wer sie in Form gebracht und wer sie auf diese Webseite gestellt hat, ist völlig unerheblich. Don’t trust the teller – trust the tale! Glaube nicht dem Geschichtenerzähler, sondern der Geschichte. Alle wahren Mitglieder des O. V. tragen denselben Namen: Sie heißen alle Nama Rupa. Wieso? Weil Nama Rupa Sanskrit ist und „Name und Form“ bedeutet, was zugleich die buddhistische Kennzeichnung für eine Person ist: Sie ist nichts als ein Name, der eine bestimmte Form bezeichnet. Mehr ist eine Person gar nicht. Alles, was wir an Bedeutsamkeit hineingeheimnissen, ist Personenkult, aber nicht ein korrektes Verständnis der Tatsache, dass wir eher Wellen des Meeres sind als einzelne abgetrennte Wesen. Wenn wir wissen wollen, wer den O. V. erschaffen hat, wollen wir eine Person isolieren, die in Wirklichkeit mehr oder minder bewusst ein einziger Tropfen des göttlichen Ozeans ist, der durch jeden von uns hindurch spricht.



Wieso sollten wir die Welt als ein Spiel ansehen? Ist das Leben und unsere spirituelle Aufgabe darin nicht viel zu ernst als dass wie es wie einen Spaß ansehen könnten?


Erst einmal ist ein Spiel und ein Spaß nicht dasselbe. Spielen ist eine Als-Ob-Handlung mittels derer Wirklichkeit simuliert wird. Spielen bedeutet einfach: so tun als ob. Sogar Säugetierkinder und domestizierte Säugetiere bis ins Erwachsenenalter hinein spielen, können also zwischen Ernst und Wettkampf unterscheiden. Das Spiel ist nach Ansicht des Philosophen Huizinga sogar der Anbeginn aller menschlichen Kultur, weil im Spiel eine zweite Wirklichkeitsebene über der sachlichen Realität geschaffen wird.


Wenn wir sagen, die Welt sei ein göttliches Spiel, ist damit gemeint, dass sie nicht so wirklich ist, wie sie uns erscheint. Sie ist ein Denkspiel Gottes. Aber Gott ist unmöglich als Person vorstellbar, die sich dieses Spiel zum Amüsement ausdenkt wie ein grausamer Mensch, der absichtlich in Kauf nimmt, dass seine Spielfiguren unter dem Spiel leiden – oder ein dummer Mensch, der das nicht erkennen kann. Das Göttliche geht über dieses Spiel hinaus, aber es spielt sich selbst, ist nicht getrennt vom Spiel wie wir nicht vom Göttlichen. So berichtet ein schönes Hindugleichnis von Shiva, der mit seiner Gefährtin Parvati verstecken spielte. Da beide ja Götter sind, fiel es ihnen zunehmend schwerer, nicht vom anderen entdeckt zu werden, bis Shiva auf die Idee verfiel, sich selbst in Millionen Einzelwesen aufzuspalten, so dass er selbst vergaß, wer er war und durch diesen Trick auch von Parvati nicht entdeckt werden konnte.


Dies ist ein wunderschöner Ausdruck für das Spiel als Qualität der Wirklichkeit: Sie ist nicht wirklich für ein göttliches Wesen, aber uns erscheint sie wirklich, weil wir vergessen haben, wer wir tatsächlich sind. Dieser Unterschied zwischen dem scheinbar wirklichen unserer materiellen Welt und der tatsächlichen hintergründigen Welt des Geistes lag einem Wortspiel zugrunde, das vornehme Japaner in früherer Zeit am Kaiserhof verwendeten: Sie ersetzten die Verben durch einen Ausdruck, der sinngemäß „so tun als ob...“ oder eben „etwas spielen“ bedeutet. SO sagte man durchaus: „Die Kaiserin hat heute morgen gespielt, sie sei gestorben“, womit alle eingeweihten wussten, dass sie Kaiserin auf unserer relativen Ebene real gestorben war. Auf einer anderen Ebene betrachtet aber ist dieses Sterben nur eine Maskerade, ein Theaterspiel, das „von drüben betrachtet“ so wirken dürfte, als ob jemand aufgehört hat, sein irdisches Leben zu spielen, der Vorhang fällt und man tritt ab von einer Bühne – mehr nicht.


Die Spielperspektive soll nicht dazu verführen, das Bedeutsame am eigenen Leben (nämlich der spirituellen Entwicklung) und am Leiden anderer zu übersehen. Sie kann aber dazu beitragen, das Unwichtige und gesellschaftlich Übertriebene, das scheinbare Glück und nur scheinbar Leidvolle im eigenen Leben mit anderen Augen zu sehen, eine gesunde Relativierung und einen guten Abstand hinzubekommen, um die Dinge als ein großes Experiment zu sehen, an dem wir nur aktiv teilhaben werden, wenn wir uns auch getrauen, das Leben als Abenteuer zu leben, als ein Aufgabe, nicht als etwas, das uns Angst machen muss, in dem wir Sicherheit und Beständigkeit anzustreben hätten. Diese Hemmnisse zu einem erfüllten, das eigene Potential ausschöpfenden Leben entstehen dann, wenn wir nicht dazu in der Lage sind, das Spielerische im Leben als eine ernsthafte Aufgabe anzusehen. Deshalb ist das göttliche Spiel eben sehr ernst zu nehmen: Weil es nicht, wie das Risikospiel eines zwanghaften Spielers oder der leichtsinnige Umgang mit dem Leben eines „Sensation Seekers“ bedeutungslos ist, sondern es ist sehr bedeutsam, dass es wirklich gespielt wird. Aber es wirklich spielen, heißt: Seine spirituelle Dimension erkennen und diese verwirklichen.



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