Satzung der Viatorenklöster




 

1. Wesen und Art der monastischen Viatorenkommunitäten

 

1) Der Orden und die Klöster

a) Wie der Viatorenorden selbst, so gehört auch ein Viatorenkloster keiner Kirche, Religion oder sonstigen staatlichen oder weltanschaulichen Organisation an. Es kann sich jedoch neben dieser Satzung zur Einfügung in vorhandene staatliche Regularien eine Rechtsform (beispielsweise eines eingetragenen Vereins) geben. Dies ist jedoch nicht Gegen­stand dieser Satzung und diese bleibt von derartigen rechtlichen Prozessen unberührt.

b)  Viatorenklöster werden gebildet, um Viatoren, die eine organisierte Form des Gemeinschaftsleben bevorzugen, eine Heimat zu geben jenseits dessen, was die etablierten Religionen an Möglichkeiten des klösterlichen oder sonstigen Gemeinschaftslebens ihren Anhängern zur Verfügung stellen, getragen von einer neuen, transreligiösen und kirchenfreien Spiritualität; und jenseits dessen, was selbstorganisiertes, freies Zusammenleben ohne den klösterlichen Rahmen mit seiner Strenge und Entschiedenheit an Möglichkeiten einer klaren Destination für spirituell Suchende eröffnet.

 

2) Die drei Orden der monastischen Viatorenkommunitäten

a) Der erste Orden:
Der erste Orden besteht aus den monastisch lebenden Viatoren der Klosterabteilungen für Männer und für Frauen, die als Mönche bzw. Nonnen in freigewähltem Verzicht auf sexuelle Beziehungen leben und die übrigen Gelübde des Klosters abgelegt haben.

b) Der zweite Orden:
Der zweite Orden besteht aus der Klosterabteilung für Paare oder vorübergehend Alleinlebende, die (mit oder ohne Kinder und heterosexuell oder homosexuell) gemeinsam leben, das Gelübde des Verzichts auf sexuelle Beziehungen nicht abgelegt haben, aber ansonsten den gleichen Gelübden folgen wie die Angehörigen des ersten Ordens.

c)  Der dritte Orden:
(1) Der dritte Orden besteht aus den Personen, die sich an den 18 Gelübden des Ordens orientieren oder diese als verbindlich abgelegt haben, aber nicht die Klostergelübde abgelegt haben, gleichgültig ob sie als (vorübergehende) Gäste oder (dauerhafte) Metoiken im Kloster mitleben oder ob sie außerhalb des Klosters wohnen, aber sich dem Kloster in einer besonderen Erklärung angeschlossen haben.

(2) Alle Kinder von Zweitordensangehörigen unterhalb des Alters von 14 Jahren werden ebenfalls als Mitglieder des dritten Ordens betrachtet und sind zur Orientierung an den Ordensgelübden (nicht aber den Klostergelübden wie die Angehörigen des zweiten Ordens) anzuhalten. Ab dem Alter von 14 Jahren dürfen sie sich entscheiden, dem ersten Orden beizutreten.

 

3) Zugehörigkeit zu einem der drei Orden

a) Wer dem ersten, zweiten oder dritten Orden der monastischen Viatorenkommunität angehört, wird Ordensangehöriger genannt. Wer dem ersten oder zweiten Orden angehört, wird Koinobit genannt. Alle übrigen Bewohner des Klosters sind Teil der Klostergemeinschaft, ohne Koinobiten zu sein. Die ständigen Bewohner des Klosters, die keine Koinobiten sind und sich nicht an die Klostergelübde binden, werden Metoiken genannt. Gäste sind nicht ständige Bewohner des Klosters.

b)  Alle Regeln dieser Satzung sind für Koinobiten anzuwenden, insofern nicht der Charakter oder der Wortlaut der Regel die gesamte Klostergemeinschaft einschließt. Metoiken und Gäste mögen sich an eine Hausordnung halten, die in Übereinstimmung mit dieser Satzung zu beschließen ist.

 

4) Weitere Klostergründungen

a) Werden Klostergründungen vorgenommen, die der Viatorenregel entsprechen, so bilden diese eine gemeinsame Konferenz aller Klostervorsitzenden (Generalkapitel). Sie wählen einen/eine Generalvorsitzende/n. Die Wahl erfolgt für die Dauer von 8 Jahren.

b) Falls die Zahl der Viatorenklöster weiter anwächst, tagt jede geographische Region in einem eigenen Provinzialkapitel mit einem Provinzialvorsitzenden, der/die für 8 Jahre gewählt wird. Die Provinzialkapital sind wiederum im Generalkapital mit einem/einer Generalvorsitzenden zusammengeschlossen sind. Die Wahl der Generalvorsitzenden erfolgt dann für 12 Jahre.

c)  Alle Klöster sind durch die gleiche Klostersatzung miteinander verbunden.

 

 

2. Abschnitt: Spiritualität

 

1) Grundsätze

a) Der Sinn der Gemeinschaft ist ihre Spiritualität im Sinne des Pilgerordens. Alle Belange haben sich diesem Sinn unterzuordnen.

b) Der spirituelle Leiter der Gemeinschaft ist der transzendente Meister selbst. Alle Mitglieder suchen eigenständig nach seiner Führung. Alle führenden Mitglieder suchen, nach seiner Führung zu führen.

c)  Die Praxis der Gemeinschaft besteht in der gemeinsamen spirituellen Fortentwicklung ihrer Mitglieder. Jedes Mitglied der Gemeinschaft bemüht sich darum eigenständig und in Mitverantwortung für die Entwicklung der anderen.

d) In der Fortentwicklung jedes einzelnen Wesens sehen wir Sinn und Zweck unseres irdischen Daseins. Die spirituelle Übung dient diesem Zweck.

e)  Das Ziel der Fortentwicklung ist die Erkenntnis des Göttlichen, die Verwirklichung der Einheit mit ihm und die Erleuchtung des Bewusstseins.

 

2) Spirituelle Ziele

a) Die Höherentwicklung des eigenen Seins hin auf Heiligkeit und Erleuchtung ist das höchste Gebot aller Viatoren.

b) Unter Heiligkeit verstehen wir die Transformation der gesamten Person des Menschen mit all seinen Körpern in einer solchen Weise, dass er in Verbindung (connexio) mit dem Göttlichen steht. Dazu ist die Überwindung der Verstrickungen unseres Egos unerlässlich. Unter Erleuchtung verstehen wir die volle Bewusstheit des Menschen für sich, für diese Welt und die übrigen Welten.

 

3) Der Geist des Zusammenlebens der Viatoren

Die klösterliche Gemeinschaft ist getragen vom Heiligen Geist, das ist die Inspiration des Transzendenten Meisters oder das Bewusstsein des erwachten Selbst. In diesem Geist orientiert sie sich an den folgenden Prinzipien eines spirituell ausgerichteten Gemeinschaftslebens:

a) Es gibt keine Hierarchien bezüglich der Bedeutung von Menschen, nur bezüglich organisatorischer Fragen. Niemand soll sich über den Anderen erheben.

b) Wer einem anderen etwas lehrt, ist Lehrer für den Augenblick. Jeder ist Lehrer und Schüler jedes Anderen zugleich.

c)  Jeder soll mit Liebe und Wertschätzung behandelt werden.

d) Die Gemeinschaft erkennt an, dass jeder einen anderen Weg zu gehen hat oder an einem anderen Punkt auf dem Weg steht.

e)  Die Regeln der Gemeinschaft sollen die freie Entfaltung des Einzelnen fördern und nur so weit einschränken, als sie im Widerspruch zu einem monastischen Zusammenleben steht.

 

4) Die spirituellen Traditionen und die Destillation ihrer Essenz

a) Das Fundament aller spirituellen Traditionen spiegelt einen Aspekt der Wahrheit. Es gibt keine Hierarchie der spirituellen Traditionen nach ihrem Wert, nur nach ihrer praktischen Bedeutung für bestimmte Personen und Umstände. Wir anerkennen alle spirituellen Traditionen, welche die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte hervorgebracht hat als wertvoll und zielführend auf dem Weg einzelner, für deren Wesen oder Abschnitt auf dem Pilgerweg sie ein passendes Gefährt sein mögen.

b) Wir bemühen uns, die Breite dieser Traditionen abzuschreiten und uns in jene Traditionen zu vertiefen, für deren vornehmliche Praxis wir uns entscheiden. Wir sind jedoch dazu bereit, auch andere Traditionen in unser Denken und Praktizieren aufzunehmen.

c)  Der Pilgerorden bemüht sich darum, die Essenz der spirituellen Weisheit im Hinblick auf die transzendente Wahrheit in allen spirituellen Traditionen zu extrahieren und diese Essenz klarer und klarer als das Destillat seines Bemühens für die gemeinsame Praxis und spirituelle Bildung der Angehörigen der monastischen Viatorenkommunität herauszubilden. Dieser Prozess der Destillation der Lehre mag derselbe nie endende Weg sein, auf dem alle Viatoren sich befinden.

 

5) Die gemeinsamen spirituellen Lehren der Gemeinschaft

Das gemeinsame Fundament unserer Spiritualität bildet die Achtsamkeit auf uns, unser Handeln, Denken, Intuieren und Empfinden sowie auf unsere Sinneswahrnehmungen als das bewusste Dasein im Hier und Jetzt, befreit von hinderlichen Konzepten und der verdunkelnden Tätigkeit unseres konditionierten Verstandes. Die Transzendenz des Alltagsbewusstseins mag sich auf andere Welten erstrecken oder nur auf eine andere Wahrnehmung dieser Welt. Alle Viatoren glauben jedoch daran, dass sie selbst zur Höherentwicklung ihres Geistes berufen sind. Sie glauben daran, dass das Ziel dieser Höherentwicklung transzendent ist. Sie glauben daran, dass ihr Ziel darin besteht, in der Immanenz ein transzendentes Bewusstsein zu erreichen. Alle Viatoren glauben daran, dass sie Zeit ihres Lebens auf dem Weg sind, dieses Ziel zu finden. Sie glauben, dass auf diesem Weg Liebe zu allen fühlenden Wesen und Verbundenheit mit der transzendenten Welt untrennbar sind. Sie glauben daran, dass die Verhaftung an die Oberfläche dieser Welt und an das eigene Ego das Durchdringen in die Tiefe der transzendenten Welt verhindert. Sie glauben daran, dass in vielen spirituellen und esoterischen Traditionen Wissen auf uns herabgekommen ist, welches uns ermöglicht, den Weg zu diesen Zielen zu finden, und dass alle diese Wissensschätze zu respektieren sind.

 

 

3. Abschnitt: Ämter und Funktionen

 

1) Die Klosterleitung

a) Das Kloster wird von dem oder der Vorsitzenden und den Vorstehern der drei Abteilungen (Prior oder Priorin) gemeinsam geleitet.

b) Der/die Vorsitzende führt das Kloster nach innen und vertritt es nach außen. Er oder sie trägt Verantwortung für die spirituelle Ausrichtung der Gemeinschaft und die spirituelle Entwicklung aller Mitglieder, für ihr Wohlergehen und die Einhaltung der Klosterregeln.

c)  Die Prior(inn)en sind die Geschäftsführer(innen) der einzelnen Abteilungen. Unter ihnen wird einer oder eine als stellvertretende/r Vorsitzende/r von dem oder der amtierenden Vorsitzenden bestimmt. Die Prior(inn)en führen sämtliche Tagesgeschäfte der Abteilungen; der/die stellvertretende Vorsitzende führt zusätzlich die Tagesgeschäfte des Gesamtklosters. Sie tragen die Verantwortung für die wirtschaftliche Situation ihres Verantwortungsbereichs. Darüber hinaus sind sie für das Klosterleben in ihren Abteilungen organisatorisch und spirituell verantwortlich.

d) Der / die Vorsitzende respektiert die Zuständigkeit der Prior(inn)en über ihren eigenen Bereich und gewährt ihnen als seine/ihre Stellvertreter(innen) die Freiheit, alle Angelegenheit selbstständig zu entscheiden, für die sie zuständig sind. Die Prior(inn)en sind an die Anweisungen des oder der Vorsitzenden jedoch auch in diesem Fall gebunden, sollte dieser/diese es für nötig halten, ihnen eine Anweisung zu erteilen, die den eigentlichen Zuständigkeitsbereich des Priors / der Priorin betrifft.

e)  Entsprechend (d) gilt, dass in allen Entscheidungen, die in einer Abteilung vom Prior / der Priorin getroffen werden, der / die Vorsitzende die Berufungsinstanz ist, an die sich die Abteilungsmitglieder wenden können, wenn sie mit dieser Entscheidung nicht einverstanden sind und eine Ansprache des Problems in der Abteilungsversammlung nicht möglich oder nicht fruchtbar war.

f)  Über alle wichtigen Belange entscheidet die wöchentliche Konferenz der Klosterleitung gemeinsam. Alle Entscheidungen, die das Kloster als Ganzes oder einzelne Abteilungen in grundsätzlicher, über das Tagesgeschäft hinausgehender Weise betreffen, werden hingegen von der Klosterversammlung getroffen.

 

2) Der liturgische Rat

a) Für die spirituellen Kernaufgaben des Klosters wird je mindestens ein(e) Beauftragte(r) für jede einzelne spirituelle Tradition von dem oder der Vorsitzenden ernannt. Die Beauftragten bilden gemeinsam einen Arbeitskreis der sich liturgischer Rat nennt, weil er die sakralen Feiern und Meditationen vorbereitet. Die Beauftragten sollten ein überragendes Wissen in der jeweiligen Tradition besitzen und in ihr eventuell außerhalb des Klosters bereits Erfahrungen gesammelt haben oder innerhalb des Klosters ausgebildet worden sein.

b) Der liturgische Rat ist dafür verantwortlich, dass alle Traditionen im Kloster in möglichst authentischer Weise und gleichberechtigt vertreten werden. In der Klosterversammlung können Klostermitglieder, die eine Tradition nicht im liturgischen Rat vertreten sehen, diese Vertretung einfordern. Die Klosterversammlung stimmt dann über das Anliegen ab.

c)  Den Vorsitz des liturgischen Rats führt der / die Vorsitzende/r. Als Vertreter(in) des Prinzips einer transreligiösen Spiritualität ist er/sie dafür zuständig, neben der authentischen Wahrung der einzelnen spirituellen Tradition das Gemeinsam herauszuarbeiten und ein Destillat entstehen zu lassen, in dem die Formen der einzelnen spirituellen Traditionen sich zu einem gemeinsamen liturgischen Geschehen vereinen lassen.

d) Der liturgische Rat besitzt demnach die Doppelfunktion, die authentischen sakralen und rituellen Handlungsanweisungen der einzelnen Traditionen in den Klosteralltag umsetzbar zu machen, andererseits aber auch solche Verbundformen zu entwickeln, in denen verschiedene Traditionen gemeinsam und gleichzeitig präsent sind.

 

3) Der alchemistische Zirkel

a) Als alchemistischer Zirkel wird ein Arbeitskreis bezeichnet, der die Weiterentwicklung des transreligiösen Gedankens in allen Formen von Wissenschaft, in Psychologie, Philosophie, Geschichts- und Sozialwissenschaften und im Dialog mit den Naturwissenschaften betreiben und fördern soll. Seine Aufgaben liegen in der Forschung und in der Verbreitung der Forschungsergebnisse in Publikation und Vortrag.

b) Der alchemistische Zirkel versteht sich auch als Destilliergefäß, in dem die Bedeutung der einzelnen spirituellen Traditionen und ihre Wirksamkeit, ihre Geschichte, ihre individuelle Anwendbarkeit untersucht und zu einem gemeinsamen Destillat weiterentwickelt werden. Seine Ergebnisse sollen allen Klostermitgliedern zugänglich und diskutierbar gemacht werden. Er regt die Umsetzung seiner Ergebnisse in liturgisch-sakrale Praktiken im Klosterleben an, indem er in Dialog mit dem liturgischen Zirkel steht.

c)  Der alchtmistische Zirkel besteht aus Personen, die sich für eine theoretisch und forschend orientierte Aufgabe berufen fühlen. Seine Teilnehmerzahl ist nicht begrenzt. Die Teilnahme erfolgt, indem der oder die Koinobit(in) sein oder ihr Interesse am Zirkel anmeldet und daraufhin zur Teilnahme eingeladen wird oder indem er oder sie vom Zirkel zur Teilnahme aufgefordert wird.

 

4) Die sonstigen Ämter

e)  Jeder Angehörige des ersten oder zweiten Ordens sollte eine eigene Funktion innerhalb des Klosterbetriebes übernehmen. Bei den normalen Funktionen kann es sich um Aufgaben wie ein Handwerk, die Gärtnerei und Landwirtschaft, die Bibliothek, die Computeradministration, die Küche, Wäscherei und andere im Klosterbetrieb anfallende Aufgaben handeln.

f)  Für die wirtschaftlichen Aufgaben des Klosters können – soweit dies erforderlich ist - Bevollmächtigte ernannt werden, die den Prior / die Priorin unterstützen, etwa eine(n) Wirtschafts- und Verwaltungsleiter/in, eine(n) Leiter(in) der Hauswirtschaft, eine(n) Leiter(in) der Handwerksbetriebe und/oder der Landwirtschaft sowie anderer Bereiche.

g) Für die Außendarstellung des Klosters kann eine Person den Prior / die Priorin vertreten, die sich um den Empfang von Gästen, die Betreuung von Internetauftritten und Pressarbeit, Öffentlichkeitsdarstellung und Veranstaltungen bemüht.

h) Für die Ausbildung von Novizinnen und Novizen soll in jeder Abteilung eine Novizenmeisterin bzw. ein Novizenmeister zur Verfügung stehen, nötigenfalls aber auch eine Person für alle Abteilungen.

i)  Die Aufgaben werden in der Weise verteilt, dass der Prior / die Priorin oder bei Noviz(inn)en der/die Novizenmeister/in mit dem/der Koinobiten/in, den/die er/sie für eine Aufgabe vorgesehen hat, ein orientierendes Gespräch führt. Wenn der Bruder/die Schwester mit der ihm/ihr zugedachten Aufgabe einverstanden ist, wird dies der Klosterleitungskonferenz mitgeteilt; andernfalls wird dort nach einer Problemlösung gesucht und die Lösung dem oder den betroffenen Brüdern oder Schwestern mitgeteilt. Ist die Klosterleitung mit der Aufgabenverteilung einverstanden, wird die neue Funktion in der Klosterversammlung bekannt gegeben und um Zustimmung von dieser gebeten. Eine Abstimmung findet allerdings nicht statt, die Klosterleitung kann jedoch ein Votum einzelner in der Klosterversammlung berücksichtigen. Das Klostermitglied wird von der / dem Vorsitzenden in der Klosterversammlung ernannt.

j)  Sollte ein(e) Koinobit(in) eine ihm vorgeschlagene Aufgabe abgelehnt haben und keinen akzeptablen Gegenvorschlag gemacht haben bzw. eine in der Klosterleitung besprochene Problemlösung abermals abgelehnt haben, kann der/die Koinobit(in) zu einer Aufgabe verpflichtet werden.

k) Wer von der Gemeinschaft eine Aufgabe übertragen bekommt, soll sie in deren Sinne und im Sinne der Ordensregel ausüben. Dazu gehört das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gemeinschaft und das Bewusstsein um die Bedeutung, die eine sorgfältige Ausführung der Aufgabe für diese besitzt. Jede übertragene Aufgabe kann von der Gemeinschaft jederzeit wieder einer anderen Person übertragen werden.

l)  Alle Leiter eines Aufgabenbereichs sind für ihren Bereich selbst verantwortlich. Dennoch liegt die Letztverantwortung und damit die Entscheidungsgewalt über alle Bereiche und Aufgabengebiete des Klosters bei der / dem Vorsitzenden.

 

 

4. Abschnitt: Gelübde und Regeln

 

1) Die Gelübde des Ordens

a) Gelübde helfen uns, die Orientierung zu behalten, die wir unserem Leben geben wollen. Die Gelübde sind als Wegweiser zu betrachten. Sie zu brechen bedeutet, für ein Stück des Weges einen Umweg gegangen zu sein. Die Einhaltung der Gelübde dient also dem spirituellen Weg des Gelübdenehmenden.

b) Der Viatorenorden kennt 18 Gelübde. Diese werden von Novizen im Kloster ebenso wie von den Ordensschülern außerhalb des Klosters (Geführten) zur Orientierung und Probe abgelegt. Mit der vollen Klosterzugehörigkeit (Profess) werden die 18 Gelübde des Ordens von dem oder Koinobiten/in als verbindlich abgelegt, ebenso wie es die außerhalb des Klosters lebenden Viatoren tun, wenn sie in den Stand des Monostiben wechseln.

c)  Der Orden kennt seinem Wesen nach keine Stabilitas loci. Der Koinobit / die Koinobitin ist frei, jederzeit das Kloster zu verlassen und Aufnahme in einem anderen Kloster zu erbitten oder wieder in der Welt oder einer Einsiedelei zu leben. Dieser Ortswechsel selbst ist kein Bruch der Klostergelübde, soweit nicht andere Bestimmungen dem entgegen stehen.

 

2) Die Gelübde des Klosters

a) Die Gelübde und Regeln des Klosters helfen uns, die Disziplin aufzubringen, die wir auf dem spirituellen Pfad brauchen. Die Regeln und Gelübde sind eine Erleichterung, weil es nicht von uns und ständigen Entscheidungen abhängt, ob wir uns in der einen oder anderen Weise verhalten wollen oder nicht, was uns frei macht im Geist für die Konzentration auf unser eigentliches Ziel.

b) Viatoren, die im Kloster leben, legen das Klostergelübde ab. Dieses lautet für den ersten Orden: Ich will den Regeln des Klosters folgen. Ich will auf Sexualität und intime Beziehungen verzichten und die Liebe zum göttlichen Meister und seinen Inkorporationen an deren Stelle setzen. Ich will auf persönlichen Besitz verzichten und in mir aufgeben, was mich an materielle Güter bindet.

c)  Für den zweiten Orden lautet das Klostergelübde: Ich will den Regeln des Klosters folgen. Ich will in meinem Partner (meiner Partnerin) wie in allen Wesen den transzendenten Meister (oder: die transzendente Meisterin) lieben. Ich will auf persönlichen Besitz verzichten und in mir aufgeben, was mich an materielle Güter bindet.

d) Dabei sind mit den Regeln des Klosters die Regeln gemeint, die hier in dieser Satzung festgelegt sind und die von da an für die verschiedenen Mitglieder der Klostergemeinschaft gelten. Die Klostergelübde werden erstmals beim Eintritt ins Noviziat und von dann jedes Jahr einmal abgelegt. Das erstmalige Ablegen erfolgt in einer feierlichen Zeremonie vor der gesamten Klostergemeinschaft, das jährliche Erneuern erfolgt in der Klosterversammlung, wobei möglichst mehrere Koinobit(inn)en ihre Gelübdeerneuerungen gemeinsam ablegen sollten. Sie gelten für die Dauer von jeweils einem Jahr und müssen stets nach etwa dieser Frist erneuert werden, wobei seit dem letzten Ablegen nicht mehr als ein Jahr und drei Monate vergangen sein sollen.

 

3) Unterordnung

a) Niemand muss seine Individualität aufgeben, um im Viatorenkloster leben zu können. Individualität wird geschätzt und gefördert. Sie findet ihre Grenzen jedoch dort, wo sie zu Egozentrik und einer Überbetonung der eigenen Wichtigkeit gegenüber dem transzendenten Meister / der transzendenten Meisterin und den anderen Personen der Gemeinschaft wird. Wer sich selbst zu wichtig nimmt, dient nur seinem Ego. Deshalb ist Demut das Fundament des spirituellen Lebens. Demut lernen wir, indem wir die Forderungen unseres Egos zu besänftigen üben. Die übrigen Mitglieder der Klostergemeinschaft, insbesondere die uns organisatorisch übergeordneten, sind die wichtigsten Trainingspartner für unsere Demut.

b) Niemand im Kloster muss in seinem inneren Weg und den Entscheidungen über sein eigenes Leben einem Anderen Folge leisten, denn die Stimme des transzendenten Meisters spricht in jedem und jeder einzelnen. Jedoch gilt für alle organisatorischen Fragen des Zusammenlebens im Kloster und auch aus den unter (a) angeführten Gründen, dass der/die Koinobit(in) vor allem den gemeinschaftlichen Beschlüssen der Klosterversammlung, in zweiter Hinsicht aber auch dem/der Vorsitzenden und dessen/deren Stellvertretern (d. i. für alle die Prior(inn)en und für Noviz(inn)en der/die Novizenmeister/in) in organisatorischen Angelegenheiten des Klosterlebens soweit Folge zu leisten hat, soweit nicht die spirituelle Freiheit des Einzelnen, die Beschlüsse der Klosterversammlung oder diese Regel dem entgegenstehen.

 

4) Sexualität und Beziehungen

a) Die Energie der Sexualität kann zu besonders starken Verhaftungen des Egos an diese Welt führen, zu Eifersucht und Zwietracht und dazu, dass die Hülle des Anderen mehr gilt als sein liebenswertes Herz. Darüber hinaus gibt es klare Aussagen indischer Yogis, wonach die Sexualenergie für spirituelle Zwecke sinnvoller eingesetzt werden kann als für weltliche. Bei der Ausübung von Sexualität und dem Eingehen von intimen Beziehungen sollten spirituell gesinnte Menschen deshalb stets besondere Vorsicht walten lassen.

b) Wer dem ersten Orden angehört, praktiziert keine Sexualität. Angehörige des ersten Ordens tragen eine besondere persönliche Verantwortung, diesen Verzicht ernsthaft und in Liebe zu sich und allen anderen Wesen zu leben und seinen Kern als die Möglichkeit der begierdefreien Gestaltung menschlicher Beziehungsfähigkeit zu verwirklichen. Freundschaften innerhalb des Klosters sind ihm oder ihr nur so weit erlaubt, sofern sich daraus keine partikulären Bündnisse ergeben, die die Gemeinschaft stören. Körperliche Berührungen nicht sexueller Natur zwischen Angehörigen des ersten Ordens dürfen nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden, ansonsten sind sie gestattet, sofern sie nicht aufgrund der Bildung partikulärer Cliquen mit der Folge des Ausschlusses anderer Personen den Frieden des Klosters stören.

c)  Wer dem zweiten Orden angehört, praktiziert keine Sexualität mit einer anderen Person als derjenigen, mit der er oder sie in partnerschaftlicher Gemeinschaft lebt. Angehörige des zweiten Ordens haben eine besondere Verantwortung zu tragen, Sexualität in rechter Weise zu praktizieren, wozu nach den Viatorengelübden insbesondere das Gebot zählt, den anderen nicht zum Sexualobjekt zu degradieren und keinesfalls Sexualität zu erzwingen oder als Druckmittel einzusetzen. In der Beziehung zum Partner / zur Partnerin soll der göttliche Meister (die göttliche Meisterin) weiterhin an der ersten Stelle stehen und nicht der oder die menschliche Geliebte.

d) Freundschaften, die die Grenzen des Klosters übersteigen, dürfen keine gravierende Beeinträchtigung des Klosterlebens für den Einzelnen oder die Gemeinschaft nach sich ziehen. Eine Kontrolle von Post und anderer Kommunikation findet nicht statt.

 

5) Freiwillige materielle Armut

a) Die Sorge um Besitztümer bindet an die materielle Welt. Wenn wir das Nötigste besitzen, damit es unserem Körper wohl ergeht, besitzen wir genug, um ein spirituelles Leben zu führen. Wenn uns Mittel zur Verfügung stehen, um in der Welt zu wirken, so nutzen wir sie in diesem Sinne als Geschenk. Niemand kann einen spirituellen Weg gehen und materiellen Besitz verehren.

b) Deshalb verzichten wir darauf, selbst etwas besitzen zu wollen und sehen alles, was uns zur Verfügung steht, als geliehen und in unsere verantwortungsbewusste Verwaltung zum Wohle aller Wesen gestellt.

c)  Um ihren Lebensunterhalt im Falle einer Rückkehr in die Welt zu sichern, dürfen Koinobit(inn)en alles, was sie außerhalb des Klosters besitzen, als rechtliches Eigentum behalten, sofern sie nicht mit der Verwaltung dieses Besitzes befasst sein müssen und sich ganz ihrer klösterlichen Aufgabe widmen können. Alle Gegenstände aber, die der/die Koinobit(in) bei seinem Eintritt in das Kloster mitgebracht hat, gehören dem Kloster.

d) Die Güter des Klosters gehören allen Koinobit(inn)en gemeinsam. Auch wenn Beauftragte zur Verwaltung einzelner dieser Güter eingesetzt werden, hat jede(r) Koinobit(in) grundsätzlich das Recht, diese Güter für seine/ihre Bedürfnisse zu nutzen.

e)  Ebenso gehört der Ertrag der Arbeitskraft der Einzelnen allen. Alles, was ein(e) Koinobt(in) an Verdienst, Honorar oder Gewinn während seiner/ihrer Klosterzugehörigkeit erwirbt, wird in die gemeinsame Kasse des Klosters einbezahlt. Angehörige des ersten Ordens fragen den/die Verwalter(in) der Kasse oder den/die Prior(in) um Erlaubnis, wenn sie für persönliche Anschaffungen Geld benötigen. Es wird ihnen lediglich ein regelmäßiges Taschengeld ausbezahlt. Angehörige des zweiten Ordens erhalten eine regelmäßige Grundzuwendung, wenn sie Kinder haben, und ein Taschengeld, wenn sie keine Kinder haben. Ansonsten gilt für sie dasselbe wie für die Angehörigen des ersten Ordens. Die Höhe der Grundzuwendung oder des Taschengeldes wird von der Klosterversammlung festgelegt.

f)  Jeder Angehörige des ersten Ordens hat Anrecht auf mindestens 20 qm Wohnraum. Dieser Wohnraum wird Zelle genannt. Angehörige des zweiten Ordens haben gemeinsam Anrecht auf 40 qm Wohnraum und entsprechend mehr, wenn Kinder vorhanden sind. Dieser Wohnraum wird Klosterwohnung genannt.

g) Obwohl Koinobit(inn)en keinen persönlichen Besitz haben, steht ihnen alles, was sich in ihrer Zelle oder Klosterwohnung befindet, zum persönlichen Gebrauch zur Verfügung. Gegen­stände von rein persönlichem Wert, etwa solche, die der Erinnerung dienen, Notizbücher und andere Aufzeichnung, sind jedoch als geschütztes privates Eigentum anzusehen und zu behandeln. Verlässt der Koinobit / die Koinobitin das Kloster, wird ihm/ihr nur das private Eigentum sowie auf seine/ihre Bitte hin auch die Gegenstände mitgegeben, die er/sie selbst ins Kloster eingebracht hat, sofern er/sie nicht unehrenhaft das Kloster verlässt.

 

6) Veränderungen dieser Satzung und sonstige Regelungen

a) Veränderungen dieser Satzung sind, solange kein anderes Viatorenkloster existiert, nur dann möglich, wenn die Klosterversammlung sie mit Zweidrittelmehrheit und mit der Stimme des/der Vorsitzenden beschließt.

b) Sobald mehr als ein unabhängiges Viatorenkloster existiert, bedürfen Änderungen dieser Satzung sowohl einer Mehrheit von Zweidritteln der Klosterversammlung aller im Generalkapitel zusammengeschlossenen Viatorenklöster als auch der Zustimmung des Generalkapitels.

c)  Die Gemeinschaft beschließt über alle nicht in dieser Satzung vorgeschriebenen Regeln und alle aktuellen Entscheidungen gemeinschaftlich unter Beteiligung aller ihrer Mitglieder ohne Ausnahme, sofern sie nicht einzelne Entscheidungen an Personen mit bestimmten Aufgaben übertragen hat.

 

7) Verstöße gegen die Satzung und die Gelübde

a) Alle Koinobit(inn)en rezitieren einmal wöchentlich die Gelübde des Viatorenordens und bedenken dabei ihre Verfehlungen. Wer das Bedürfnis hat, seine Verfehlung öffentlich zu bekennen, wird durch den Prior / die Priorin dazu aufgefordert, der oder die nach der Rezitation fragt: Wer bekennt, gefehlt zu haben?. Dem Prior/ der Priorin steht es frei, auch einzelne Abteilungsangehörige persönlich zum Bekenntnis aufzufordern, etwa mit den Worten: Hast du etwas zu bekennen?. Das Bekenntnis bleibt ohne Konsequenzen, solange es sich nicht um einen groben Verstoß gegen die Regeln der Gemeinschaft handelt.

b) Wer die Regeln der Gemeinschaft nach dem Urteil eines anderen nicht einhält, soll konsequent darauf hingewiesen und nicht bestraft werden. Dies geschieht durch die Person, deren Aufgabe dies ist, das ist bei Kandidaten oder Novizen der/die Novizenmeister(in) und bei allen Koinobit(inn)en der/die Prior(in) und der/die Vorsitzende. Die Zurechtweisung soll liebevoll und mit Verständnis geschehen, der Angesprochene soll die Möglichkeit der Erklärung haben. Das Gespräch soll unter vier Augen oder im kleinen Rahmen stattfinden und damit enden, dass der Angesprochene erklärt, welche Konsequenzen er für sich daraus zieht.

c)  Wer Fehlverhalten häufig zeigt, kann vom Prior/ der Priorin in der Abteilungsversammlung darauf angesprochen und die Abteilungsversammlung zur Aussprache nach den Regeln der liebevollen Kommunikation genutzt werden.

d) Wer durch sein Verhalten jedoch die Gemeinschaft schädigt, soll über sich selbst richten. Dies geschieht, indem er oder sie in der Abteilungsversammlung nach der Aussprache vom Prior/der Priorin dazu aufgefordert wird zu erklären, was er sich aufzuerlegen wünscht, um seinen Fehler wieder gut zu machen. Das Urteil des Betroffenen wird akzeptiert und er wird bei dessen Umsetzung unterstützt.

e)  Wer für die Gemeinschaft nicht tragbar ist, kann ausgeschlossen werden. Der Ausschluss erfolgt erst nach vorheriger Anhörung des Betroffenen durch den/die Vorsitzende und indem in der Klosterversammlung eine Aussprache über die Gründe mit dem Betroffenen stattfindet und die Klosterversammlung nach einer abschließenden Empfehlung der/des Vorsitzenden, über den Ausschluss zu entscheiden, eine entsprechende Abstimmung vornimmt.

 

 

5. Abschnitt: Die Zugehörigkeit zur Klostergemeinschaft

 

1) Eintritt in das Kloster

a) Jeder der dem Kloster beitreten möchte, hat das Recht, als Kandidat(in) aufgenommen zu werden, insofern er die folgenden Bedingungen erfüllt:

(1)   Er oder sie muss psychisch und spirituell dazu in der Lage sein, den Klosterregeln zu folgen.

(2)  Es darf keine juristischen Hinderungsgründe geben.

(3)  Sofern er oder sie dem ersten Orden beitreten möchte, darf keine Pflegebedürftigkeit vorliegen oder unmittelbar drohen.

b) Wer der Gemeinschaft beitritt, erklärt damit, der Gemeinschaft alles zu geben, was er geben kann. Dazu zählt seine Arbeitskraft, sein materieller Besitz, seine Menschlichkeit, seine Spiritualität.

 

2) Kandidatur

Jeder, der oder die beabsichtigt, dem Kloster beizutreten, hat die Gelegenheit, diese Option zu prüfen, indem er oder sie für einige Monate am Klosterleben teilnimmt. Während dieser Kandidatur prüfen sowohl die Kandidaten ihre Berufung für das Klosterleben als auch die Klostergemeinschaft die Eignung der Kandidaten. Wenn der Kandidat / die Kandidatin sich entschieden hat, trägt sie ihre Entscheidung dem Novizenmeister / der Novizenmeisterin vor. Diese(r) bespricht die Entscheidung mit dem/der Vorsitzenden und dem/der zuständigen Prior(in). Falls die/der Kandidat(in) ins Noviziat eintreten möchte, muss sie/er ihr/sein Anliegen anschließend persönlich der Klosterversammlung vortragen. Diese stimmt nach Abgabe einer Empfehlung durch den/die Vorsitzende/n über das Ansinnen nach.

 

3) Noviziat

a) Jeder, der dem Kloster beitritt, ist nach der Kandidatur für die Dauer von zwei Jahren Novize oder Novizin. Beim Eintritt ins Noviziat legt er oder sie (falls noch nicht erfolgt) die vorläufigen Gelübde des Viatorenordens und die Gelübde des Klosters ab und erhält dafür das Novizenkleid. Die Gelübde werden wie bei den Vollmitgliedern nach einem Jahr erneuert. Er oder sie ist damit Schüler(in) der Ordensdisziplin und wird darin von einem Novizenmeister oder einer Novizenmeisterin unterrichtet.

b) Novizinnen und Novizen werden von einer Novizenmeisterin oder einem Novizenmeister in das Ordensleben eingeführt. Dazu gehört die Schulung in allen spirituellen Praktiken, die im Kloster ausgeübt werden, in den Regeln des Ordens und des Klosters, in der Art und Weise der Befolgung der Gelübde, in der Geschichte des Ordens und in der Geschichte und Theorie der Spiritualität.

 

4) Profess

a) Nach Beendigung des Noviziats entscheidet der Novize / die Novizin über seinen /ihren weiteren Verbleib im Kloster. Darauf trägt er/sie ihre Entscheidung dem/der Novizenmeister(in) vor. Desgleichen beraten sich der/die Novizenmeister(in) und die Klosterleitung. Hat die Novizin / der Novize sich für das Ablegen der Profess entschieden, trägt er/sie sein/ihr Ansinnen der Klosterversammlung vor. Diese stimmt nach Empfehlung des/der Vorsitzenden darüber ab.

b) Wird der/die Novizin dadurch zur Profess zugelassen, legt sie die Klostergelübde in einer feierlichen Professfeier vor der gesamten Klostergemeinschaft ab und erhält das Ordenskleid sowie einen Ordensnamen. Er/sie ist damit Vollmitglied des Klosters.

c)  Der Ordensname wird von der Klosterversammlung ausgewählt und vorher mit der Novizin / dem Novizin abgesprochen. Er darf auch einem Vorschlag von dieser/diesem entsprechen. Der Ordensname soll der Person entsprechen und in seiner wörtlichen Bedeutung oder in einem vorbildlichen Träger dieses Namens seine Begründung finden.

 

5) Austritt aus dem Kloster

a) Falls die Klostergelübde nicht nach Ablauf von einem Jahr und drei Monaten erneuert werden, muss der Koinobit / die Koinobitin den Bereich für den ersten (Klausur) oder zweiten Orden (Halbklausur) verlassen und gilt fortan als Angehöriger des dritten Ordens.

b) Wer den ersten oder zweiten Orden vor Ablauf seiner ein Jahr lang gültigen Gelübde verlassen will, darf dies nur nach Diskussion seines Anliegens vor dem/der Vorsitzenden und nach Diskussion und mit Billigung der Klosterversammlung tun. Andernfalls verliert er sämtliche Rechte, die er als Angehöriger des Viatorenordens oder als ehemalige(r) Koinobit(in) ansonsten besitzt, insbesondere werden die bei seinem/ihrem Eintritt vertraglich geregelten Bedingungen für seinen/ihren Austritt unwirksam.

c)  Der Antrag auf regelmäßige Dispens gegenüber der Klosterversammlung, das Kloster auf bestimmte oder unbestimmte Zeit zu verlassen, um einem anderen Kloster des Ordens beizutreten, eine spirituelle Reise zu unternehmen oder ähnliches, gilt nicht als Austritt aus dem ersten oder zweiten Orden, sondern – je nach Sachlage – als Beurlaubung unter Beibehaltung der sonstigen Klosterregeln und damit des Ordensstatus oder Übertritt in den Pilgerstand des dritten Ordens.

 

 

6. Abschnitt: Versammlungen, Abstimmungen und Wahlen

 

1) Abteilungsversammlung:

a) Jede Woche findet eine Versammlung aller Mönche, Nonnen und Zweitordensangehörigen in den jeweiligen Abteilungen statt. In dieser Abteilungsversammlung werden die Anliegen der Koinobit(inn)en vorgetragen und besprochen. Dies betrifft sowohl organisatorische Anliegen als auch die Klärung von Unstimmigkeiten, die aufgrund organisatorischer Vorgänge oder Anweisungen entstanden sind. Das gilt auch für Vorgänge zwischen den Koinobit(inn)en und dem Prior / der Priorin.

b) Im Falle von Unstimmigkeiten zwischen Mitgliedern der Klostergemeinschaft, die nicht andernorts geklärt werden konnten, ist die Unstimmigkeit der Abteilungsversammlung vorzutragen. Dabei sollen der oder die Betroffene oder bei mehreren Betroffenen ein(e) Sprecher(in) der Betroffenen Gelegenheit haben, alles auszusprechen, was sie aussprechen möchten, ohne unterbrochen zu werden. Anschließend haben ihre Kontrahenten, so es solche gibt, Gelegenheit sich ebenso ausführlich zu äußern. Danach darf der Prior oder die Priorin das Wort ergreifen. Er oder sie gibt schließlich nach den Gegebenheiten auch den übrigen Teilnehmern die Gelegenheit, sich zu dem Anliegen zu äußern. Alle sollen dabei darauf achten, dass ihre Rede nicht verletzend, sondern voller Achtung, Wertschätzung und Freundlichkeit ist, den Anderen nicht angreift, sondern bei sich bleibt.

c)  Das Recht, den Abteilungsversammlungen beizuwohnen, und die entsprechenden Rechte der Wahl und Mitsprache in diesen Versammlungen erstrecken sich nur auf die Mitglieder der jeweiligen Abteilung und den/die Vorsitzende sowie geladene Gäste. Mitglieder der Klostergemeinschaft, die nicht der Abteilung angehören, können geladen werden, wenn ein Tagesordnungspunkt sie betrifft.

d) In der Abteilungsversammlung und der außerordentlichen Abteilungsversammlung sind nur Professen, nicht Kandidaten und Novizen abstimmungs- oder (aktiv und passiv) wahlberechtigt, es sei denn auf Antrag eines Professen und nach Zustimmung der jeweiligen Versammlung bei die jeweiligen Personen betreffenden Angelegenheiten. Sie dürfen sich jedoch äußern.

 

2) Außerordentliche Abteilungsversammlung

Eine außerordentliche Abteilungsversammlung tritt zusammen

a)  zur Wahl einer Priorin oder eines Priors,

b) zur Klärung besonderer Vorkommnisse,

 

3) Klosterversammlung

a) Einmal pro Woche findet eine Versammlung des gesamten Klosters statt, in der der/die Vorsitzende des Klosters den Vorsitz führt. Hier werden alle Angelegenheit von allgemeiner Bedeutung für das Kloster vorgetragen und gegebenenfalls zur Abstimmung gestellt.

b) Das Recht, den Klosterversammlungen beizuwohnen, und die entsprechenden Rechte der Wahl und Mitsprache in diesen Versammlungen erstrecken sich nur auf die Angehörigen des ersten und des zweiten Ordens sowie geladene Gäste.

c)  In der Klosterversammlung und der außerordentlichen Klosterversammlung sind nur Professen, nicht Kandidaten und Novizen abstimmungs- oder (aktiv und passiv) wahlberechtigt, es sei denn auf Antrag eines Professen und nach Zustimmung der jeweiligen Versammlung bei die jeweiligen Personen betreffenden Angelegenheiten. Sie dürfen sich jedoch äußern.

 

4) Außerordentliche Klosterversammlung

Eine außerordentliche Klosterversammlung tritt beisammen

a)  zur Wahl eines oder einer Vorsitzenden,

b) zur Klärung das ganze Kloster betreffender besonderer Vorkommnisse,

 

5) Entscheidungsfindungs-, Abstimmungs- und Wahlmodalitäten

a) Alle Entscheidungsfindungen sowie geordneten Reflexionsprozesse in den gemeinschaftlichen Versammlungen erfolgen, indem vom rangniedrigsten Mitglied angefangen bis zum ranghöchsten jede(r) nacheinander die Möglichkeit erhält, sich zu äußern. Der Rang bestimmt sich hierbei nach dem Status der Zugehörigkeit (Kandidat, Novize, Profess, Prior, Vor) sowie der Dauer der Zugehörigkeit zur monastischen Viatorenkommunität zur Differenzierung innerhalb der Statuszugehörigen. Nach dieser ersten Runde und – wenn dies erwünscht und vom Versammlungsleiter zugelassen wird – einer anschließenden offenen Aussprache wird das Thema zur Abstimmung gestellt, indem entweder jeder die Hand erhebt oder, wenn die Komplexität des Themas dies erfordert, jedem noch ein zweites Mal die Gelegenheit gegeben wird, sich nach dem jeweils Rangniedrigeren zu äußern. Kommt keine Einigkeit zustand und erfordert das Thema eine schnelle Entscheidung, so wird eine Zeit des Schweigens eingelegt, damit alle Versammlungsteilnehmer in sich gehen und ihre Position reflektieren können. Andernfalls wird diese In-sich-Gehen ihnen vom Versammlungsleiter für die Zeit bis zur nächsten Versammlung aufgetragen, wo das Thema erneut erörtert wird.

b) Entscheidungsfindungen, die keine offizielle Abstimmung nach dieser Satzung darstellen, erfolgen durch Aussprache und Erzielen größtmöglicher Übereinstimmung der Versammlungsmitglieder.

c)  Ein Abstimmungsergebnis erfordert die einfache Mehrheit, wenn nicht anderes hier festgelegt ist. Alle Abstimmungen erfolgen durch Handzeichen und öffentlich.

d) Alle Wahlen erfolgen geheim und mit der jeweils angegebenen Mehrheit.

 

6) Wahl der/des Vorsitzenden  

a) Der/die Vorsitzende wird auf die Dauer von fünf Jahre gewählt. Die Wahl muss einstimmig erfolgen. Wahlberechtigt sind alle Vollmitglieder des ersten und des zweiten Ordens des Klosters. Die Wahl erfolgt durch die stimmberechtigten Koinobit(inn)en, die zum Zeitpunkt der Wahl der Wahlversammlung beiwohnen.

b)   Leiter(in) der Wahlversammlung ist der/die Prior(in), der/die den/die Vorsitzende regelmäßig vertritt. Der/die Wahlleiter(in) gibt den genauen Termin für die Wahl mindestens drei Monate vorher in der Weise öffentlich bekannt, dass alle Wahlberechtigten davon Kenntnis erlangen können.

c) Vor der anstehenden Wahl hält der/die bisherige Amtsinhaber/in Rücksprache mit den übrigen Mitgliedern der Klosterleitung sowie (insofern ein/e solche/r existiert) mit der/dem Generalvorsitzenden. Die Klosterleitung (und gegebenenfalls der/die Generalvorsitzende) sprechen sich für oder gegen die Wiederkandidatur des Amtsinhabers / der Amtsinhaberin aus. Diese Empfehlung ist nicht bindend, muss aber in dem Fall, dass der / die Amtsinhaber/in ihr nicht folgt, vor der Wahlversammlung öffentlich gemacht werden.

d)   Der oder die erste Kandidat(in) wird durch Vorschlag des/der bisherigen Amtsinhabers/in bestimmt, falls diese(r) selbst nicht mehr zur Wahl steht. In diesem Fall findet eine geheime Abstimmung über den Vorschlag statt. Dabei können nur Ja oder Nein-Stimmen abgegeben werden. Enthaltungen werden als Nein-Stimmen gewertet. Wird keine Einstimmigkeit erzielt, ist noch einmal über den Vorschlag abzustimmen. Wird der/die Kandidat(in) auch beim zweiten Vorschlag nicht einstimmig gewählt, so wird die Wahl wie unter (e) beschrieben durchgeführt.

e) Wenn der/die bisherige Vorsitzende wieder zur Wahl steht oder keine(n) Kandidaten/in vorgeschlagen hat oder diese(r) im zweiten Abstimmungsgang keine Einstimmigkeit auf sich vereinen konnte, wird nach Gegenkandidaten gefragt. Anschließend erfolgt eine geheime Wahl unter allen Gegenkandidaten/innen. Sollte im ersten Wahlgang kein(e) Kandidat(in) Einstimmigkeit für sich erreichen, wird der zweite Wahlgang angesetzt. Hierbei stehen nur noch die beiden Kandidat(inn)en mit den meisten abgegebenen Stimmen zur Wahl. Solange keine Einstimmigkeit erzielt wird, muss die Wahl ohne Auflösung der Versammlung fortgesetzt werden.

 

7) Wahl der Prior(inn)en

a) Die Prior(inn)en werden auf die Dauer von vier Jahre gewählt. Die Wahl erfolgt durch die stimmberechtigten Abteilungsmitglieder, die der Wahlversammlung beiwohnen. Wahlberechtigt sind die Vollmitglieder der jeweiligen Klosterabteilung. Die Wahl muss mit Zweidrittelmehrheit erfolgen.

b) Leiter(in) der Wahlversammlung ist der/die Vorsitzende des Klosters. Der/die Wahlleiter(in) gibt den genauen Termin für die Wahl mindestens einen Monat vorher in der Weise öffentlich bekannt, dass alle Wahlberechtigten davon Kenntnis erlangen können.

c)  Der/die Vorsitzende sowie – falls diese(r) keinen Vorschlag äußert - der/die bisherige Amtsinhaber(in) haben das Recht, den/die erste(n) Kandidaten/in vorzuschlagen. In diesem Fall findet eine geheime Abstimmung über den Vorschlag statt. Dabei können nur Ja oder Nein-Stimmen abgegeben werden. Enthaltungen werden als Nein-Stimmen gewertet. Wird keine Mehrheit von zwei Dritteln aller abgegebenen Stimmen erzielt, ist noch einmal über den Vorschlag abzustimmen. Wird der/die Kandidat(in) auch beim zweiten Vorschlag nicht mit der erforderlichen Mehrheit gewählt, so wird die Wahl wie unter (d) beschrieben durchgeführt.

d) Falls der Vorschlag des/der Vorsitzenden oder des/der bisherigen Amtsinhaber(in) nicht angenommen wurde oder kein Vorschlag von diesen erging, stellen die Kandidat(inn)en sich selbst auf oder werden von Mitgliedern der Wahlversammlung vorgeschlagen und müssen dem Vorschlag zustimmen, um gewählt werden zu können. In diesem Fall erfolgt eine geheime Wahl über alle Kandidat(inn)en. Sollte im ersten Wahlgang kein(e) Kandidat(in) zwei Drittel der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen, wird der zweite Wahlgang angesetzt. Hierbei stehen nur noch die beiden Kandidat(inn)en mit den meisten Stimmen zur Wahl. Erreicht auch in diesem Wahlgang kein(e) Kandidat(in) zwei Drittel der abgegebenen Stimmen, muss die Wahl ohne Auflösung der Versammlung solange fortgesetzt werden, bis eine(r) der Kandidat(inn)en zwei Drittel aller Stimmen auf sich vereinigt.

 

8) Abstimmungspflichtige Angelegenheiten

Über die folgenden Angelegenheiten haben alle Koinobit(inn)en in der Klosterversammlung abzustimmen. Ein positives Ergebnis kann nur mit Zweidrittelmehrheit gefasst werden:

a)  Die Aufnahme eines Kandidaten / einer Kandidatin in den Stand eines Novizen/einer Novizin.

b) Die Aufnahme eines Novizen / einer Novizin in den Stand eines oder einer Professen.

c)  Finanzielle Ausgaben von größerem Ausmaß (mehr als drei Monatsgehälter eines durchschnittlichen Angestellten).

d) Baumaßnahmen, die über den Erhalt der bereits vorhandenen Bausubstanz hinausgehen.

e)  Die Erweiterung des Klosters durch Neugründung oder Verlagerung von Teilen des Klosters.

f)   Veränderungen des Ritualplanes und der sonstigen spirituellen Inhalte.

 

 

7. Abschnitt: Das Zusammenleben im Kloster

 

1) Der Umgang der Koinobit(inn)en miteinander

a) Das Kloster soll ein Ort des Friedens, des Rückzugs zur Ausrichtung des Geistes auf die Transzendenz und der idealen zwischenmenschlichen Begegnung in Liebe und Respekt sein. Jeder und jede ist gehalten, daran mitzuwirken.

b) Das Zusammenleben in der Klostergemeinschaft erfordert die ständige Übung von Verstehen und Mitgefühl gegenüber den Anderen. Alle, die mit uns zusammenleben, verdienen unser Mitgefühl, weil sie ebenfalls ihren schweren Weg in dieser Existenzform zu gehen haben, und verdienen unser Bemühen, zum Verständnis für ihr jeweiliges Sosein vorzudringen.

c)  Wer eine(n) Andere(n), dem er/sie begegnet, ansprechen möchte, verbeugt sich zunächst vor diesem/dieser und spricht nicht sogleich los. Wenn der/die Andere sich in Kontemplation befindet, erwidert diese(r) die Verbeugung, aber bedeutet dem Anderen, dass er nicht sprechen möchte, indem er beispielsweise weitergeht.

d) Die Mitglieder des Ordens nennen einander beim Ordensnamen oder Vornamen. Wer den Anderen mit Respekt ansprechen möchte, nennt ihn oder sie Bruder oder Schwester. Die gleiche Anrede gilt für den/die Vorsitzende/n und die übrigen Funktionsträger.

 

2) Soziale Fürsorge

a) Alle Klostermitglieder sind Teil einer familiären Gemeinschaft. Es ist selbstverständlich, dass jeder, der krank, alt oder in sonstiger Weise behindert ist, von den übrigen Mitgliedern in angemessener Weise gepflegt, versorgt und betreut wird. Niemand darf wegen des Eintritts von Krankheit oder Pflegebedürftigkeit sowie vergleichbaren Zuständen von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Dessen ungeachtet, müssen Kranke zur notwendigen medizinischen Versorgung in entsprechende Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens gebracht werden.

b) Jedes Klostermitglied steht der Gemeinschaft so lange mit seiner Arbeitskraft zur Verfügung, solange es diese besitzt. Ein Rentenalter gibt es nicht. Alte und kranke Klostermitglieder können jedoch Erleichterungen der Klosterregeln in Anspruch nehmen, wenn diese der Klosterversammlung angemessen erscheinen.

c)  Für die Betreuung von Kindern der Angehörigen des zweiten Ordens durch andere Angehörige der Klostergemeinschaft ist zu sorgen.

 

3) Schwierigkeiten im Umgang miteinander

Jedes Klostermitglied bringt seine Individualität in je einmaliger Weise in die Gemeinschaft ein. Wir sollten diese Einmaligkeit schätzen lernen, indem wir sie als den Ort auf der Pilgerreise der Persönlichkeitsentwicklung begreifen, an dem sich die Person gerade befindet. Wir fördern den oder die Andere(n) darin, in seiner Entwicklung weiter voranzuschreiten und solche Eigenschaften, die für andere störend sind, aufzugeben; aber wir arbeiten auch an uns selbst, nicht unsere eigenen Schwierigkeiten im Anderen zu suchen und ihn für das abzulehnen, was wir an uns ablehnen. Jeder ist deshalb dazu aufgefordert, nach der Lösung für die Schwierigkeiten, die er mit einem Anderen empfindet, in sich selbst zu suchen.

 

4) Die Gruppe »Einander schenken«

a) Einmal wöchentlich findet während der Abendfreizeit eine alle drei Abteilungen übergreifende Gruppe statt, die »Einander schenken« genannt wird. Alle Koinobit(inn)en sind aufgefordert alle vierzehn Tage, mindestens jedoch einmal monatlich an dieser Gruppe teilzunehmen. Die Gruppe soll aus höchstens acht Koinobit(inn)en zusammengesetzt sein; gegebenenfalls finden zwei oder mehr solcher Gruppen parallel statt. Die Zusammensetzung wird sich von Woche zu Woche ändern und wird zuvor festgesetzt. In dieser Gruppe erleben wir die Gemeinschaft in ihrem bereichernden und ihrem korrigierenden Aspekt.

b) Alle Teilnehmer(innen) verpflichten sich, aus ihrem innersten Herzen heraus und nicht aus seinen Panzerungen von Aggression und Abwehr miteinander zu reden. Jede Aussage erfolgt in respektvoller Weise, indem der Blick des Sprechers auf das Herz des Angesprochenen gerichtet ist und nicht von dem Nebel des Bildes verdunkelt wird, das aus den Projektionen des Sprechers besteht.

c)  Die Gruppe beginnt stets damit, dass die Teilnehmer sich in Ruhe und Achtsamkeit sammeln und einander still betrachten, indem sie ihre eigenen Gefühle für die anderen Anwesenden wahrnehmen und in achtsamer Haltung wirken lassen, ohne sie zu verurteilen, zu bekämpfen und zu verdrängen, aber auch ohne an ihnen festzuhalten und nach einem Ausdruck dafür zu suchen.

d) In der zweiten Zeiteinheit kann jede(r) Teilnehmer(in) das Wort an eine(n) andere(n) Teilnehmer(in) richten, indem er das sagt, was er an ihm oder ihr wertschätzt und mag, was ihm oder ihr in der vergangenen Zeit Positives neu aufgefallen ist.

e)  In der dritten Zeiteinheit hat jede(r) Teilnehmer(in) die Gelegenheit, sein oder ihr Bedauern auszusprechen über das, was er oder sie in Bezug auf andere Klostermitglieder oder in Bezug auf sein oder ihr eigenes Verhalten sich selbst und der Transzendenz gegenüber an Schwächen wahrgenommen hat; insbesondere, wenn er oder sie sich bei einem/einer anderen Teilnehmer(in) für etwas persönlich entschuldigen möchte.

f)  In der vierten Zeiteinheit hat jede(r) Teilnehmer(in) die Gelegenheit, persönliche Sorgen und Probleme mitzuteilen. Wer Sorgen und Probleme hat, wirkt eventuell auf Andere verschlossen und abweisend. Im Kloster besteht zudem die Möglichkeit, dass wir keine Gelegenheit finden, diese einem anderen mitzuteilen. Damit andere Verständnis für ihre Situation haben, sind alle Teilnehmer(innen) an dieser Stelle aufgefordert, offen und authentisch ihre persönlichen Schwierigkeiten mitzuteilen.

g) Falls ein(e) Teilnehmer(in) sich von einem/einer anderen Teilnehmer(in) verletzt gefühlt hat, so kann er oder sie dies in der abschließenden Zeiteinheit äußern, sofern er oder sie zuvor in der zweiten Zeiteinheit eine positive Eigenschaft der betreffenden Person geäußert hat. Wir äußern uns auch in dieser Einheit respektvoll und ruhig und bleiben bei unserer eigenen inneren Situation, ohne die andere Person anzugreifen und über sie zu sprechen.

h) Danach verbeugen sich die Teilnehmer(innen) voreinander und sprechen ein gemeinsames Schlussgebet. Es findet keine Aussprache statt. Ein(e) Teilnehmer(in) zu oder über den/die etwas gesagt wurde, nimmt die Aussage der anderen Person entgegen, ohne etwas zu erwidern. Jeder und jede darf allerdings zu jeder Aussage in den verschiedenen Einheiten Rückfragen stellen, die das Verständnis betreffen.

 

5) Stillschweigen

a) Eine Klostergemeinschaft findet nur zu ihrer Spiritualität, wenn sie sich in permanenter Ausrichtung auf ihre numinose Quelle übt. Koinobit(inn)en sollen sich mit ganzem Herzen und aller Aufmerksamkeit der Übung der ständigen Achtsamkeit und des inneren Gebetes widmen. Dazu ist Ruhe des Geistes erforderlich, die durch äußere Ruhe gefördert wird. Alle Gespräche, die sinnlos, falsch und eitel sind, gehören sich für Viatorinnen und Viatoren nicht.

b) Darüber hinaus haben alle Arbeiten und Verrichtungen soweit wie möglich in Stillschweigen zu geschehen. Deshalb wird nur kommuniziert, was nötig ist, um eine Arbeit zu tun oder wenn es sinnvoll für den Fortschritt des Einzelnen oder für die Gemeinschaft erscheint. Wenn Gespräche erforderlich und sinnvoll sind, dürfen sie nur in den dafür vorgesehenen abgeschlossenen Räumen oder im Garten geführt werden, bei Angehörigen des zweiten Ordens jedoch auch in den Wohnungen. Keinesfalls darf Lärm die Stille auf dem Klostergelände stören.

 

6) Klausur

a) Das Kloster soll die dort Lebenden vor dem unberechtigten Eindringen von Einflüssen der Umwelt schützen. Jeder, der nicht zur jeweiligen Abteilung des inneren Klosters gehört, ist grundsätzlich – von Ausnahmen abgesehen-, eine solche Störung für die Gemeinschaft. Die Räume des Wohnbereichs des ersten Ordens, der Mönchsabteilung und der Nonnenabteilung, dürfen daher nur von den dort lebenden Mönchen bzw. Nonnen sowie von Angehörigen des zweiten Ordens nach Eintrag in eine Besucherliste aufgesucht werden. Diese Bereiche stellen die Klausur des Klosters dar.

b) Die Räume der Angehörigen des zweiten Ordens dürfen außer von den dort lebenden Personen auch von anderen Personen betreten werden, wenn diese zuvor von einem oder einer dort Lebenden eingeladen worden sind. Sie werden deshalb als Halbklausur bezeichnet.

 

7) Regeln und Ausnahmen

Alle Klostermitglieder verpflichten sich, die für sie gültigen Regeln einzuhalten. Sollten sie aufgrund beruflicher oder persönlicher Gründe regelmäßig nicht dazu in der Lage sein, an allen wesentlichen Gemeinschaftsaktivitäten teilzunehmen oder sich allen Regeln zu unterwerfen, beantragen sie eine Abänderung der Regel für sich. Diese wird in der Klosterversammlung diskutiert und von dieser angenommen oder mit einer Empfehlung an den Antragsteller abgelehnt. Der Antragsteller hat dann die Möglichkeit, einen gemäß der Empfehlung veränderten Antrag erneut zu stellen.

 

 

8. Abschnitt: Der Lebenszyklus im Kloster

 

1) Tagesablauf

a) Der Tag beginnt um 6.00 Uhr mit dem Frühgebet oder der Frühmeditation, die von jedem Koinobiten in der eigenen Zelle oder Klosterwohnung absolviert werden.

b) Um 7.00 Uhr findet die Morgenmeditation in der Tempelhalle statt.

c)  Um 7.30 Uhr beginnt das Frühstück im Refektorium.

d) Um 8.00 Uhr beginnt die Arbeitszeit bis 12.00 Uhr.

e)  Um 12.00 Uhr findet die Puja (große Zeremonie) statt.

f)  Um 13.00 Uhr wird das Mittagessen im Refektorium eingenommen.

g) Ab 13.30 Uhr ist Studierzeit, bei der sich jeder in der Klausur oder dem Garten dem spirituellen Studium, der Kontemplation oder der Ruhe widmen kann.

h) 15.00 Uhr findet die Nachmittagsmeditation statt.

i)  15.30 Uhr bis 18.00 Uhr ist Arbeitszeit.

j)  Um 18.00 Uhr ist Abendmeditation.

k) Um 19.00 Uhr ist Abendessen im Refektorium. Anschließend ist Freizeit oder Arbeitszeit bis zum Nachtgebet.

l)  Um 21.00 Uhr findet das Nachtgebet statt.

m)  Ab 22.00 Uhr wird gebeten, Nachtruhe einzuhalten. Ab diesem Zeitpunkt sind alle gemeinschaftlichen Aktivitäten einzustellen, Lärm ist untersagt. Angehörige des ersten Ordens sind gehalten, sich in ihren Zellen aufzuhalten.

n) Alle aufgeführten Tagesordnungspunkte sind für die Koinobit(inn)en obligatorisch. Wer an einer oder mehreren Tagesordnungspunkten nicht teilnehmen kann, muss dies zuvor der Priorin / dem Prior bekannt geben und deren/dessen Einverständnis erhalten haben.

 

2) Wochenablauf

a) Die einzelnen Wochentage, außer Sonn- und Feiertagen, verlaufen stets gleich.

b) Sonntags entfällt der Zeitpunkt des frühen Aufstehens, die Morgenmeditation und das gemeinsame Frühstück. Das Frühstück kann bis 10.00 Uhr eingenommen werden. Gemeinsame Puja und Mittagessen finden statt. Danach ist Freizeit bis zur Abendmeditation. Während der Nachmittagsfreizeit können Ausflüge oder andere Aktivitäten außerhalb des Klosters unternommen werden. Die übrigen Tagesordnungspunkte bleiben bestehen.

c)  Die Pujas wechseln in der Orientierung auf eine spirituelle Tradition je nach Wochentag: montags tibetisch-buddhistisch, dienstags hinduistisch, mittwochs Zen-buddhistisch, donnerstags daoistisch, freitags islamisch-sufistisch, samstags jüdisch-kabbalistisch, sonntags christlich. Änderungen dieser Vorgabe kann die Klosterversammlung ohne Änderung der Satzung beschließen.

 

3) Erwachensgebet, Frühmeditation und Frühgebet

a) Beim Erwachen betet der oder die Koinobit(in) ein Gebet, das den Tag im Hinblick auf das spirituelle Werk begrüßt. Dieses Gebet kann beispielsweise lauten: »Ein neuer Tag beginnt. Ich bin bereit, ihn im Dienst an meiner höheren Aufgabe zu leben. Ich bin voller Freude auf das, was dieser Tag an Unbekanntem für mich bereit hält, und werde alles annehmen«.

b) Die Frühmeditation gestaltet sich nach der individuellen Hauptpraxis jedes Klosterangehörigen.

c)  Das Frühgebet wird vor dem Verlassen der Zelle/Klosterwohnung rezitiert und besteht aus dem Gebet, das der Novize/die Novizin von seinem Novizenmeister oder ihrer Novizenmeisterin oder das Vollmitglied bei seiner Profess erhalten hat.

 

4) Meditationen

a) Meditationen werden durch dafür jeweils bestimmte Koinobit(inn)en geleitet. Sie entstammen dem gesamten Schatz spiritueller Traditionen.

b) Morgenmeditation: Die Morgenmeditation besteht aus einer Einführung in die Meditation dieses Tages durch den Leiter der Meditation, aus einer Zeit der Stille und einer abschließenden gemeinsamen Rezitation eines sakralen Textes.

c)  Mittagsmeditation: Die Mittagsmeditation findet im Rahmen der Puja statt und ist an die Tradition anzupassen, die den Wochentag regiert.

d) Nachmittagsmeditation: Die Nachmittagsmeditation ist eine stille Meditationszeit.

e)  Abendmeditation: Die Abendmeditation ist eine stille Meditationszeit.

f)  Solitäre Meditationen: Der/die Koinobit(in) kann zusätzlich zu den gemeinsamen Meditationen während der Studierzeit und der Freizeit meditieren oder andere sakrale Handlungen (Gebet etc.) vollziehen. Noviz(inn)en müssen die Aktivitäten während dieser Zeiten jedoch mit ihrem Novizenmeister / ihrer Novizenmeisterin absprechen.

 

5) Pujas

a) Mit dem Sanskrit-Wort Puja bezeichnen wir eine feierliche Anbetung des Göttlichen, eine Andacht, zeremenonielle Feier oder einen Gottesdienst.

b) Die Pujas, die an jedem Tag mittags durchgeführt werden, entstammen jeweils dem spirituellen Kontext der Tradition, die den Wochentag regiert (wie unter Wochenablauf ausgeführt), wobei auch Elemente der anderen spirituellen Traditionen einfließen dürfen. Die Pujas werden durch die Beauftragten für die jeweiligen spirituellen Traditionen oder den/die Vorsitzende/n beziehungsweise dessen/deren Stellvertreter/in geleitet.

 

6) Gebete und Rezitationen

a) Am Ende der Morgenmeditation, vor jeder Mahlzeit, zur Nacht und während der Pujas finden Gebete oder Rezitationen heiliger oder spirituell instruktiver Texte statt. Die Texte werden vom liturgischen Rat ausgewählt oder nach Vorschlag des für die Meditationszeit beauftragten genehmigt.

b) Nachtgebet: Beim gemeinsamen Nachtgebet wird ein spiritueller Text von allen Anwesenden gemeinsam intonierend rezitiert. Der Text soll jeweils der Tradition entsprechen, die den jeweiligen Wochentag beherrscht oder aber er soll von transreligiöser Art sein.

 

7) Mahlzeiten

a) Die Mahlzeiten dienen nicht nur der Gesunderhaltung des Körpers, sondern bieten auch eine Möglichkeit der Meditation und der Einübung des Gemeinschaftslebens. Wir nehmen sie stets in Stillschweigen zu uns, um uns achtsam auf die eingenommene Nahrung, den Vorgang des Essens und unsere Schwestern und Brüder zu konzentrieren. Wir sprechen auch nicht, wenn wir etwas gereicht bekommen müssen, sondern sind so aufmerksam, dass wir den Wunsch der Anderen bemerken. Mittags, insbesondere sonntags, kann während der Mahlzeit durch eine(n) Koinobiten/in eine Lesung durchgeführt werden. Zu Beginn jeder Mahlzeit wird ein gemeinsames Gebet gesprochen. Darin danken wir den Personen und der Natur, denen wir unser Essen zu verdanken haben, gedenken aber auch der Wesen, die Hunger leiden und wünschen ihnen dieselbe Nahrung, die uns stärkt.

b) Fehlernährung (zu viel, schädliche Genussmittel oder zu wenig zu essen) schadet, gegebenenfalls auch in psychischer Hinsicht. Alle Mahlzeiten werden von allen Koinobit(inn)en deshalb im Refektorium gemeinsam eingenommen, sofern nicht Krankheit oder anderweitige Verpflichtungen sie daran hindern. Das Verzehren von Speisen außerhalb des Refektoriums ist nicht erwünscht, unter anderem um zu verhindern, dass der Verzehr von Speisen zum Ersatz für die Liebe wird, die wir in der Hinwendung zum Göttlichen und unserer eigenen Seele sowie in der Beziehung zu allen anderen Wesen und insbesondere Mitbrüdern und -schwestern finden sollen.

c)  Es gibt drei gemeinsame Mahlzeiten und eine unverbindliche Teezeit täglich. Die Kost ist vegetarisch. Der Verzehr von Alkohol außerhalb des Refektoriums ist verboten und im Refektorium nur in geringen Mengen erlaubt, da Alkohol den Geist trübt, zu Sucht und zu Zuständen führen kann, die die Eintracht im Kloster gefährden.

 

8) Körperliche Arbeit

a) Körperliche Arbeit dient der körperlichen Gesundheit, des Ausgleichs zu geistiger Arbeit und der Beruhigung des Geistes. Niemand sollte sich für körperliche Arbeit zu schade sein und sich durch geistige Tätigkeit über körperlich Arbeitende erheben. Alle Klostermitglieder, die dazu körperlich in der Lage sind, beteiligen sich deshalb mindestens einmal pro Woche für mindestens zwei Stunden an der körperlichen Arbeit, die im Kloster zu tun ist, auch wenn sie ansonsten mit anderen Tätigkeiten für das Wohl der Gemeinschaft wirken.

b) Die Einteilung zu den Tätigkeiten nimmt der Prior / die Priorin in Absprache mit jedem einzelnen Mitglied und in Absprache mit den Beauftragten der einzelnen Wirtschaftsbereiche vor. Der Zeitpunkt für den Arbeitseinsatz ist so zu wählen, dass er die sonstige Arbeit des Klostermitglieds nicht stört und andererseits den Belangen der Wirtschaftsbetriebe genüge tut.

c)  Jedes Klostermitglied, das dazu körperlich in der Lage ist, reinigt seine Zelle oder Klosterwohnung selbst und ist für die Sauberkeit seiner Wäsche selbst verantwortlich.

 

9) Feiertage

An den hohen christlichen Feiertagen finden Meditationsklausuren statt, bei denen alle Koinobiten sich gemeinsam im zentralen Tempel versammeln und (außer zu den angegebenen Unterbrechungen) sich vollständig der Meditation, Rezitation und zeremonieller Feier widmen. An den Feiertagen ist die/der Vorsitzende Hauptzelebrant/in aller kultischen Handlungen und Leiter/in der Meditationen. Das übliche Tagesprogramm wird ausgesetzt. Die Termine werden gemäß dem christlichen Feiertagszyklus gewählt. Es werden jedoch keine allein christlichen, sondern alle spirituellen Traditionen einschließende Zeremonien abgehalten. Dabei steht für jeden Feiertag ein anderes Leitthema Pate. Es werden stille Meditationen, Gehmeditationen, körperlich übende Elemente und geführte Meditationen zu dem Leitthema durchgeführt. Es werden zum Leitthema passende Rezitationen aus allen spirituellen Traditionen durchgeführt.

a) Weihnachten: Das Leitthema der Weihnachtsklausur lautet Geburt, Wiedergeburt, Ankunft in dieser Welt und Licht in die Welt hineintragen. Die Klausur findet statt vom 24. Dezember 20.00 Uhr bis 26. Dezember 16.00 Uhr. Während der Weihnachtsklausur werden Frühstück, Mittag- und Abendessen mit Lesung eingenommen. Es wird von 20.00 Uhr am 25. Dezember bis 4 Uhr am 26. Dezember pausiert. Ansonsten entspricht das zeitliche Schema im Wesentlichen dem unten unter Ostern gesagten.

b) Silvester: Das Leitthema der Silvesterklausur lautet Abschied vom Alten und Neubeginn. Die Klausur findet statt vom 31. Dezember 12.00 Uhr bis 01. Januar 14.00 Uhr. Der Ablauf ist der Folgende: Nach der Mittagspuja am 31. Dezember ziehen sich die Koinobit(inn)en zurück, um allein das vergangene Jahr, ihren spirituellen Fortschritt und ihre Verdienste und Unterlassungen zu reflektieren und darüber zu meditieren. Jede(r) beendet seine Reflexion mit einem reinigenden Bad oder Duschbad, bei dem er/sie das Vergangene abwäscht, um rein ins Neue zu gehen. Um 19.00 Uhr findet die Abendpuja statt, bei der jeder Koinobit bekennt: Ich habe in diesem Jahr Gutes getan und Gutes unterlassen. Das gemeinsame Silvestermal findet um 21.00 Uhr in feierlichem Rahmen und unter Anwesenheit aller Klosterbewohner statt. Im Anschluss daran legt der/die Vorsitzende seine Rechenschaft über das vergangene Jahr ab. Die Klosterbewohner stimmen seinem/ihrem Rechenschaftsbericht nach einer Aussprache, in der sie öffentlich Kritik äußern dürfen, wenn ihnen dies notwendig erscheint, zu. Die Versammlung wird um 24 Uhr (oder vorher, in diesem Fall wird bis dahin pausiert) geschlossen. Um Mitternacht wird das neue Jahr in rituellem Rahmen begrüßt. Danach wird pausiert. Der Morgen des folgenden Tages beginnt ohne Frühstück, um die Entsagung an den Anfang des Jahresweges zu stellen, in Stille und Zurückgezogenheit in der eigenen Klosterzelle oder Wohnung, um das Jahr der Kontemplation und der Gemeinschaft mit dem Transzendenten Meister allein zu widmen. Die Koinobit(inn)en reflektieren ihre Vorhaben und Vorsätze für das neue Jahr und versuchen, ein Zeichen für ihr persönliches Jahresmotto zu erhalten. Die Mittagspuja steht im Zeichen des Jahresmottos der Klostergemeinschaft. Anschließend findet das gemeinsame feierliche Mittagessen der Klostergemeinschaft statt. Der Nachmittag ist frei. Ab dem Abend gilt das Wochentagsprogramm.

c)  Ostern: Das Leitthema für Ostern lautet Eingehen in die Transzendenz, Erleuchtung, Wandlung, Tod und Wiedergeburt. Die Klausur findet statt vom Karfreitag bis Ostermontag ganztägig. Während der Klausurtage herrscht vollständiges Stillschweigen. Den Koinobiten wird empfohlen von Samstag vor Karfreitag bis einschließlich Karfreitag keine feste Nahrung mehr zu sich zu nehmen. Alle Koinobiten (außer den Kranken) nehmen an Karfreitag nur Wasser oder Kräutertee zu sich. Das Fasten unterstützt die Einstellung des Körpers auf die spirituelle Übung und dient der Reinigung. Die erste Mahlzeit ist das Frühstück am Samstag. Es ist karg zu halten wie alle Mahlzeiten bis zum Mittagsmahl am Montag, das üppig ausfallen soll. Während der vier Klausurtage gilt:
Von 7 Uhr bis 8.30 Uhr: Eröffnung durch den/die Vorsitzende/n – stille Meditation – gemeinsame Rezitation – stille Meditation
8.30 Uhr: Frühstück oder Gehmeditation im Freien (Freitag)
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr: Zwei Zyklen von stiller Meditation – Meditation in Bewegung oder geführte Meditation – stille Meditation.
12.00 Uhr: Mittagspuja mit ausführlicher Belehrung zum Leitthema
13.30 Uhr: Mittagessen oder Freizeit (Freitag)
13.30 Uhr bis 15.00 Uhr: Körperliche Arbeit oder Freizeit
15.00 Uhr bis 18.00 Uhr: Zwei Zyklen von stiller Meditation – Meditation in Bewegung oder geführte Meditation – stille Meditation.
18.00 Uhr bis 19.00 Uhr: Freizeit
19.00 Uhr: Abendessen oder (Freitag) Gehmeditation im Freien
19.30 Uhr: Spirituelle Unterweisung und gemeinsame thematische Kontemplation
20.00 Uhr bis 21.30 Uhr: Zwei Zyklen von stiller Meditation – Meditation in Bewegung oder geführte Meditation – stille Meditation.
21.30 Uhr bis 4.00 Uhr: Pause; außer Samstagsabend: gemeinsames Singen, Chanten, rituelles Feiern ohne dauerhafte Anwesenheitspflicht bis Mitternacht, dann Mitternachtspuja
4.00 Uhr bis 7.00 Uhr (außer Freitag): stille Einzelmeditation, Lektüre oder kontemplatives Gehen im Freien oder den Gemeinschaftsräumen
Die Meditationen dauern jeweils fünfundzwanzig Minuten und werden von fünf Minuten Pause gefolgt.

d) Pfingsten: Leitthema ist die Führung durch den Transzendenten Meister, die innere Inspiration, das Finden des Weges, das Lauschen auf das Gebot des Höchsten. Die Klausur findet statt von Pfingstsamstag bis Pfingstmontag ganztägig. Während der Pfingstklausur werden Frühstück, Mittag- und Abendessen mit Lesung eingenommen. Das zeitliche Schema entspricht im Wesentlichen dem bei Ostern gesagten.

e)  Flexible Feiertage:

-    Am ersten Sonntag im August (oder einem staatlichen Feiertag im selben Monat): Fest der Lehre (des Dankes für den Besitz von Lehren, die aus der Knechtschaft des Diesseitigen hinausführen; des Respektes vor den Lehrinhalten und der Tatsache, dass die Lehre das verehrungswürdigste Objekt ist). An diesem Tag finden morgens und nachmittags zusätzlich geführte und stille Meditationen statt. Die Mittagspuja findet mit ausführlicher spiritueller Unterweisung zum Leitthema statt.

-    Am ersten Sonntag im September (oder einem staatlichen Feiertag im selben Monat): Fest der Lehrer (des Dankes für die Herabkunft von großen Lehrern und für die Geburt kleinerer, auch unserer eigenen Lehrer; Verehrung der großen Lehrer der Menschheit, der spirituellen Traditionen). An diesem Tag finden morgens und nachmittags zusätzlich geführte und stille Meditationen statt. Die Mittagspuja findet mit ausführlicher spiritueller Unterweisung zum Leitthema statt.

-    Am ersten Sonntag im Oktober oder an einem staatlichen Feiertag, der entweder im September oder im Oktober liegt: Fest der schützenden Wesenheiten (Schutzengel, Schützer der Lehre, Heilige, eigene Geistführer, höheres Selbst). An diesem Tag finden morgens und nachmittags zusätzlich geführte und stille Meditationen statt. Die Mittagspuja findet mit ausführlicher spiritueller Unterweisung zum Leitthema statt.

-    Am ersten Sonntag im November (oder einem staatlichen Feiertag im selben Monat): Fest der Tiefe des eigenen Geistes (der Einkehr und des Stillwerdens im eigenen Inneren, der Kontemplation). An diesem Tag finden keine gemeinschaftlichen Veranstaltungen statt. Auch die Mahlzeiten werden von jedem Koinobiten in der eigenen Zelle oder Klosterwohnung eingenommen. Der Tag wird von allen in völligem Stillschweigen verbracht. Das Kloster darf für Spaziergänge verlassen werden.

 

 

9. Gebräuche und sonstige Regeln des Klosterlebens

 

1) Das Klosterhabit

Die Klosterversammlung oder (falls mehr als ein Viatorenkloster existiert) das Generalkapitel kann eine gemeinsame Bekleidung oder Ordenstracht beschließen. Ohne diesen Beschluss gilt, dass ein einheitliches festliches Gewand für allen rituellen Anlässe in gleicher Form für alle Klosterangehörigen angeschafft und von ihnen zu diesen Anlässen getragen werden kann.

 

2) Symbole und Embleme

a) Das Symbol der monastischen Viatoren wird gebildet aus einer vertikale Linie, die in gleicher Länge einen oben offenen Kreis durchzieht, wie sie sich nach unten fortsetzt.

b) Das Emblem des Viatorenordens ist ein siebenläufiges rundes Labyrinth mit der Umschrift »Deus innominabilis – homo ludius habilis«.

 

3) Tiere

Tiere sind Teil der Gemeinschaft des Lebendigen und deshalb die Brüder und Schwestern der Ordensangehörigen. Das Töten von Tieren ist auf dem Klostergelände untersagt. Haustiere, die den Ablauf und die Ruhe des Klosters nicht stören, dürfen sich im Kloster dauerhaft aufhalten.

 

4) Elektronische Geräte

a) Ein Kloster ist ein Ort der Stille und der uneingeschränkten Konzentration auf die transzendente Wirklichkeit. Die Benutzung von Geräten, die zur Speicherung und Wiedergabe von Musik und Daten geeignet sind, bedarf deshalb der Genehmigung durch den Prior / die Priorin. Davon abgesehen, gelten die folgenden Regeln.

b) In den Büroarbeitsräumen für die Angehörigen des ersten und zweiten Ordens sind Internetanschlüsse bereitzustellen. Die Benutzung des Internets ist in anderen Räumen nur aus besonderem Grund zu gestatten. Die Benutzung von Computern ist den Angehörigen des ersten Ordens nur aus besonderem Grund auch außerhalb der Büroarbeitsräume gestattet.

c)  Die Benutzung von Mobiltelefonen ist innerhalb des Klosters nicht gestattet.

d) Musikanlagen und Fernsehgeräte sind in den Aufenthaltsräumen der jeweiligen Abteilungen aufzustellen. Die Benutzung von Fernsehgeräten ist den Angehörigen des ersten und zweiten Ordens außerhalb dieser Räume nicht gestattet. Die Benutzung von Geräten aller Art zum Abspielen von Tonaufnahmen ist nur nach Anmeldung beim Prior / der Priorin gestattet.