Die Gelübde
I. Gelübde der rechten Bindung

 

1 Bindung an den transzendenten Meister: Ich erstrebe (Ducendus) /gelobe (Monostibes), dass ich mich niemals stärker an einen Menschen oder ein anderes sterbliches Wesen binden werde als den göttlichen Freund und Meister, wie er in der Gestalt des Buddha, Christus oder eines anderen großen Avatar erscheint.

 

2 Verbindlichkeit von Sexualität: Ich erstrebe/gelobe, dass ich Sexualität niemals zur bloßen Befriedigung meiner eigenen Bedürfnisse missbrauchen werde, indem ich sie von Gefühlen wie Liebe und Zuneigung trenne und den Anderen zum Objekt reduziere, statt ihn stets als ganzen Menschen wahrzunehmen.

 

3 Bindung an das höchste Ziel statt an Leidenschaft: Ich erstrebe/gelobe, dass ich meinen eigenen Leidenschaften, seien diese von der Art des Angezogenseins (wie Begierde und Stolz) oder der Abstoßung (wie Wut und Neid), niemals um ihrer selbst willen folgen und freien Lauf lassen werde, sondern sie in reine Energien transformieren will, sei es, indem ich sie bändige und bezwinge, sei es, indem ich auf ihnen reite wie auf einem Wildhengst, einem höheren Ziel entgegen.

 

4 Bindung an Ethik: Ich erstrebe/gelobe, dass mein Handeln sich stets am Rechten und Guten orientieren, dass es der Höherentwicklung meines Geistes und des Geistes des Anderen dienen und dem unmittelbaren und ferneren Wohl des nächsten und des fernsten fühlenden Wesens nützen soll. Ich erstrebe/gelobe, mein Herz für das Leiden Anderer zu öffnen und ihm Abhilfe zu schaffen.

                                    

5 Bindung an die Tugenden: Ich erstrebe/gelobe, mich an die folgenden Ideale zu binden:

Freigebigkeit: Ich will meine Zeit und mein Wissen, meine Liebe und meinen Besitz großzügig geben.

Ethik: Ich will mich in Bezug auf das, was recht ist und nicht in Bezug auf meine Eigeninteressen ausrichten.

Geduld: Ich will geduldig und mit Gelassenheit auf andere Wesen und auf Umstände und Situationen reagieren.

Tatkraft: Ich will diszipliniert sein in meiner Praxis und gegenüber Hürden und Schwierigkeiten nicht aufgeben.

Konzentration: Ich will nach Ruhe und Konzentration meines Geistes streben.

Weisheit: Ich will Weisheit erlangen, die diese und die Gesamte Welt durchschaut.

 

6 Maitri/Agape: Ich erstrebe/gelobe, selbstlos und ohne Vorbedingungen zu lieben.

 

 

 

II. Gelübde des echten Entsagens

 

1 Aufgeben des Eigenwillens: Ich erstrebe/gelobe, meinen Willen vom Göttlichen leiten zu lassen und dem Fluss des höheren Lebens zu folgen, mich der Verfügung des Numinosen anzuvertrauen und meine Intuition für den Willen des Höchsten Freundes zu entwickeln und zu gebrauchen.

 

2 Aufgeben des Eigennutzens: Ich erstrebe/gelobe, statt meinen eigenen Nutzen zu verfolgen, all mein Handeln, Denken und Fühlen dem letztendlichen Guten für alle Wesen, dem Dienst am Höchsten und der Verbreitung der Lehre, die aus der Knechtschaft des Diesseitigen hinausführt, unterzuordnen und zu widmen. Ich erstrebe/gelobe, nicht zu sprechen und zu handeln, nur um Andere zu beeindrucken oder mich besser erscheinen zu lassen.

 

3 Aufgeben der illusionären Sicht: Ich erstrebe/gelobe, mich zu bemühen, stets achtsam die Präsenz aufrechtzuerhalten und nichts zu unternehmen, das diese willentlich zerstört. Ich will alles Geschehen als Das große Spiel durchschauen, die Welt und ihre Bewohner als substanzlos erkennen und mich als bloße Welle im Ozean ansehen.

 

4 Aufgeben der Selbstüberzeugtheit: Ich erstrebe/gelobe, die gerade konstellierte Situation oder Person zur Grundlage meines Urteils zu machen und nicht an einer bestimmten, alle Zeit gültigen Vorstellung anhaften zu wollen. Ich will nicht die Sünde begehen, meine Sicht für die einzig wahre zu halten und sie Anderen aufzudrängen. Ich will mich des anhaftenden Urteilens und des Verurteilens enthalten.

 

5 Aufgeben des unrechten Gebrauchs der Güter: Ich erstrebe/gelobe, mir nichts zu nehmen, das mir nicht gegeben wurde. Ich werde mich nicht bereichern, während Andere in Armut leben. Ich werde mich nicht dem Erwerb sinnlicher, materieller Genüsse und weltlichen Ruhmes widmen. Ich erstrebe/gelobe, Handlungen zu vermeiden, die den natürlichen Grundlagen der Erde schaden oder die Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen und Tieren fördern.

 

6 Aufgeben des Aufgebens des Weges: Ich erstrebe/gelobe, diesen Weg selbst dann nicht mehr zu verlassen, wenn schweres Schicksal mich niederdrückt oder große Freude mich sorglos macht.

 

 

 

III. Gelübde des stetigen Praktizierens

 

1 Praxis der Meditation: Ich erstrebe/gelobe, wann immer es mir möglich ist, täglich zwei Zeiten der Stille und Meditation einzuhalten, beide von zumindest dreißig Minuten Dauer.

 

2 Praxis des barmherzigen Handelns: Ich erstrebe/gelobe, in Gebet und Ritual sowie dem Spenden von Belehrung, Heilung und Leidminderung dem Wohle konkreter Anderer und aller fühlenden Wesen zu dienen.

 

3 Praxis der kleinen Rituale: Ich erstrebe/gelobe, der transzendenten Ausrichtung meines Daseins in allen alltäglichen Handlungen zu gedenken, indem ich beispielsweise 

-     beim Erwachen bete, der Tag möge ganz im Dienst meiner transzendenten Aufgabe stehen;

-     vor dem Frühstück mein Morgengebet spreche;

-     beim Essen die Beendigung des Hungers aller Wesen wünsche;

-     mit der Mudra des Lehrens immer wieder meinen Status als Geführter/Monostibes dieses Ordens vergegenwärtige und mich dabei an diese Gelübde erinnere;

-     beim Einschlafen wünsche, die Achtsamkeit aufrechterhalten und die Meditation vertiefen zu können.

 

4 Praxis der rechten Rede: Ich erstrebe/gelobe, mich zu bemühen, dass meine Rede nicht verletzend, nicht sinnlos und nicht falsch sei, sondern konstruktiv, liebevoll und von mitfühlendem Zuhören begleitet. Ich will auch in Konflikten offen und wahrhaftig kommunizieren und nach Lösungen suchen. Ich will jedem, der einen Grund und echtes Interesse hat, es zu erfahren, aufrichtig von meiner eigenen spirituellen Erfahrung Kunde geben, und werde durch mein Handeln, Sprechen und Denken Zeugnis ablegen von der Existenz und Natur des Transzendenten.

 

5 Praxis der Identifikation mit dem Transzendenten: Ich erstrebe/gelobe, mich stets darum zu bemühen, meine Existenz wie die ganze Welt als die Manifestation des Göttlichen zu begreifen, dem transzendenten Meister ähnlicher zu werden und mich schließlich mit ihm als identisch zu erleben – und nicht umgekehrt – und mich der Würde dieser Tatsache entsprechend mit rechtem göttlichem Stolz zu betrachten.

 

6 Praxis der Einhaltung der Gelübde: Ich erstrebe/gelobe, mich jede Woche zu prüfen, ob ich die Gelübde meines frei gewählten geistlichen Weges gehalten habe und sie mir so in Erinnerung zu rufen.